Fahrzeuge

Baureihen, Gattungen, Achsfolge, ...
Lok 99 5906 (NWE 41)

Loknummer / Betriebsnummer / Bahnnummer


Zur Unterscheidung ihrer Lokomotiven wurden diesen vor 1900 von den Bahnverwaltung Namen gegeben. Die Gernrode-Harzgeroder Eisenbahn AG (GHE) benannte ihre Dampfloks nach Orten ("Gernrode", "Harzgerode", ...), nach dem Fluss "Selke", und nach Ländern ("Anhalt", "Braunschweig", "Preußen"). Weil mit zunehmender Anzahl der Lokomotiven die Verwendung von Namen unpraktisch wurde, gaben die Bahnverwaltungen ihren Loks Nummern. Diese Loknummern nennt man bei Privatbahnen Bahnnummern bzw. bei Staatsbahnen Betriebsnummern. Die Nordhausen-Wernigeroder Eisenbahn AG (NWE) gab von Anfang an ihren Loks Nummern.
Da die Nummern nach Ausscheiden einiger Loks in den Folgejahren neu vergeben wurden, trugen einige Loks zu verschiedenen Zeiten verschiedene Nummern bzw. eine Lok erhielt in Zweitbelegung (II) oder Drittbelegung (III) die Nummer einer nicht mehr vorhandenen Lok.

Nach Zusammenschluß der Länderbahnen zur Deutschen Reichsbahn (DR) mußte man sich ein neues Nummerierungssystem ausdenken, weil viele Loks die gleiche Nummer hatten. Nach dem endgültigen Nummernschema der DR/DRG ("Richtlinien für die Umzeichnung der Reichsbahn-Dampflokomotiven") von 1926 setzt sich die Nummer einer Lok aus einer zweistelligen Stammnummer (Baureihennummer; Baureihe BR) und einer drei- bzw. vierstelligen Ordnungsnummer zusammen. Schmalspurdampflokomotiven ordnete man alle in die Baureihe 99 ein. Um die sich hinter dieser Baureihennummer verbergenden verschiedenen Bauarten besser unterscheiden zu können, wurden die Ordnungsnummern nicht fortlaufend vergeben. Die erste Ziffer der dreistelligen Ordnungsnummer diente zur Unterscheidung der Spurweite. Die zweite Ziffer diente zur Unterscheidung der Bauserie. Die Ordnungsnummern von 101 bis 299 waren zum Beispiel für Loks mit 1000 mm Spurweite reserviert. Für 750 mm Spurweite waren die Ordnungsnummern 501-799 vorgesehen.
In Folge der Verstaatlichung der Privatbahnen in der DDR erhielten die Privatbahnmaschinen Loknummern entsprechend dem DR-Nummernschema. Man gab den ehemaligen Privatbahnloks vierstellige Ordnungsnummern. Die Loks der NWE und GHE bekamen mit den Ziffern "5" und "6" beginnende Nummern.

Ab 1970 führte die DR ihr EDV-Nummernschema ein. Aus der dreistelligen Ordnungsnummer der Staatsbahnloks machte man durch Voranstellen einer Ziffer vierstellige Nummern. Für Loks mit 1000 mm Spurweite war das die "7". Aus Loknummer "99 222" wurde "99 7222-5". Somit steckt in der Loknummer zweimal die Information über die Spurweite: 1. Ziffer = 7, 2. Ziffer = 2. Die Ziffer hinter dem "-" ist die so genannte "Selbstkontrollziffer", die sich aus den anderen Ziffern nach einem einfachen Verfahren ermitteln läßt.
In den Jahren, als die Loks der BR 9923-24 mit Ölhauptfeuerung fuhren, war an der Stelle der "7" als Kennung für die Ölfeuerung eine "0". Lok 99 7235-7 hatte daher die Nummer 99 0235-4.

Ähnlich wie bei Dampfloks setzt sich die Nummer von Dieselloks und Dieseltriebwagen aus der Baureihenangabe und der (meist dreistelligen) Ordnungsnummer zusammen.

Die Harzer Schmalspurbahnen GmbH (HSB) verwendet als Bahnnummern für ihre Triebfahrzeuge das gleiche Schema wie es bis 1992 von der Deutschen Reichsbahn angewandt wurde. An die Einzelgänger wie 99 7222 (99 222), 99 5906 und 99 6001 werden mitunter die Nummernschilder angebracht, wie sie vor 1970 üblich waren.

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Baureihe (BR)


Aufgrund der Vielzahl von Triebfahrzeugen nahm die Deutsche Reichsbahn ab den 1920er Jahren unter Verwendung eines Nummernschemas eine Einteilung in sogenannte Baureihen vor. Die Angabe zur Baureihe bildet den vorderen Teil (Stammnummer) der Betriebsnummer eines Triebfahrzeuges.
(Übersicht der Dampflokbaureihen siehe Tabelle zu Betriebsgattungen)
Weil der Zweck der Baureihen-Bezeichnung in der Zusammenfassung mehrerer Triebfahrzeuge zu einer Gruppe besteht, ist es falsch, die Abkürzung "BR" vor die Triebfahrzeugnummer zu schreiben (z.B.: "BR 7242" ist falsch!). Einen seltenen Fall stellt die Baureihe 99600 dar. Da durch den Beginn des II. Weltkrieges die Serienfertigung nicht mehr aufgenommen wurde, gibt es nur eine einzige Lok dieser Baureihe (99 6001).

Da die Einteilung in Baureihen speziell bei Dampflokomotiven und besonders bei Schmalspurdampfloks so grob ist, daß wesentliche Unterschiede zwischen Loks nicht erkennbar sind, verwendet man zur feineren Einteilung die so genannten Unterbaureihen. Dazu wurden die erste Ziffern (bei Normalspur bedarfsweise und bei Schmalspur generell auch noch die zweite Ziffer) der Ordnungsnummer genutzt. Die von der Deutschen Reichsbahn ab 1949 von verstaatlichten Privatbahnen und Landesbahnen übernommenen Schmalspurdampflokomotiven wurden in dreistellige Unterbaureihen eingeordnet. Sie erhielten entsprechende vierstellige Ordnungsnummern.
 
Ordnungsnimmern von Schmalspurdampfloks nach Übernahme durch die DR in der DDR
Ordnungsnummer Spurweite Bemerkungen
1000...1999 1000 mm Gera-Meuselwitz-Wuitzer Eisenbahn AG (GMWE)
3000...3999 600 mm Mecklenburg-Pommersche Schmalspurbahnen (MPSB)
Waldeisenbahn Muskau (WEM)
4000...4999 750 mm Rügensche Kleinbahnen AG
Prignitzer Eisenbahnen
Kleinbahnen des Kreises Jericho
5000...6100 1000 mm Spremberger Stadtbahn
Spreewaldbahn
Franzburger Kreisbahnen (FKB)
Gernrode-Harzgeroder Eisenbahn AG (GHE)
Nordhausen-Wernigeroder Eisenbahn AG (NWE)
Die zweite Ordnungsziffer kennzeichnete die mittlere Achsfahrmasse der Kuppelachsen in Tonnen (8 = 8 t, 9 = 9 t, 0 = 10 t, 1 = 11 t)
Die dritte Ordnungsziffer diente zur weiteren Unterteilung von Loks mit gleicher Achsfahrmasse.

Eine Unterbaureihe umfaßt die Triebfahrzeuge vom gleichen oder wenigstens vom ähnlichen Typ. Lok (99 6102 gehört zur Baureihe 99 und zur Unterbaureihe 610. In der Kurzform spricht man von der BR 99610 (alternativ BR 99.610).
Mit der Einführung von EDV-Nummern durch die Reichsbahn erhielten 1970 auch die Staatsbahnloks durch Voranstellen einer Ziffer vor die ursprümgliche Ordnungsnummer ebenfalls vierstellige Ordnungsnummern. Deshalb kann man die zweistellige Unterbaureihe nicht aus den ersten Ziffern der Ordnungsnummer ableiten. Die Baureihenangaben 9972 bzw. 99723-724 für die Neubauloks der HSB sind daher sachlich falsch. Es handelt sich unabhängig von den geänderten Ordnungsnummern um die Baureihen 9923-24.

Ordnungsnimmern der Schmalspurdampfloks der Staatsbahn nach Einführung der EDV-Nummern durch die DR in der DDR 1970
Ordnungsnummer Spurweite ehemalige Privatbahnen
1000...1999 1000 mm Gera-Meuselwitz-Wuitzer Eisenbahn AG (GMWE)
3000...3999 600 mm Mecklenburg-Pommersche Schmalspurbahnen (MPSB)
Waldeisenbahn Muskau (WEM)
4000...4999 750 mm Rügensche Kleinbahnen AG
Prignitzer Eisenbahnen
Kleinbahnen des Kreises Jericho
5000...6100 1000 mm Spremberger Stadtbahn
Spreewaldbahn
Franzburger Kreisbahnen (FKB)
Gernrode-Harzgeroder Eisenbahn AG (GHE)
Nordhausen-Wernigeroder Eisenbahn AG (NWE)
Die zweite Ordnungsziffer kennzeichnete die mittlere Achsfahrmasse der Kuppelachsen in Tonnen (8 = 8 t, 9 = 9 t, 0 = 10 t, 1 = 11 t)
Die dritte Ordnungsziffer diente zur weiteren Unterteilung von Loks mit gleicher Achsfahrmasse.

Bis 1970 kennzeichnete die DR Dieselloks (ausgenommen die Kö's) mit "V" ("Verbrennungsmotor") und dem Zehntel der Leistungsangabe in PS (z.B. V10 = Diesellok mit ca. 100 PS). Als Hinweis auf Schmalspur hängte man bei 1000 mm ein "C" an.
Ab 1970 stellte man den Betriebsnummern statt des "V" eine "1" voran. Zur Unterscheidung von der Normalspur begannen die Ordnungsnummern ab 900. 1972 erhielten die Schmalspur-Dieselloks am Anfang der Betriebsnummer die "199".

Schmalspur-Triebwagen bekamen zunächst Betriebsnummern analog zu normalspurigen Fahrzeugen beginnend mit "VT" ("Verbrennungs-Triebwagen"). Später vergab die DR Betriebsnummern mit Baureihennummer "187".

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Betriebsgattung


Als die Anzahl an Loktypen nur noch schwer zu überblicken war, versahen die deutschen Länderbahnen ihre Lokomotiven mit Gattungszeichen. Loks mit ähnlichen Merkmalen (Haupteinsatzzweck, Achsanzahl u.a.) erhielten die gleichen Gattungszeichen. Nahezu jede Länderbahn hatte ein eigenes System von Gattungszeichen entwickelt.
Im Zusammenhang mit der Einführung eines einheitlichen Nummernplans bei der DR/DRG wurde auch ein einheitliches Schema der Betriebsgattungen entwickelt.
Bei Dampfloks gehört die Angabe der Betriebsgattung zu den Anschriften.

Betriebsgattung von Dampfloks (Gattungszeichen)
Großbuchstabe = Hauptgattungszeichen (Kennzeichnung des Haupteinsatzzwecks des Triebfahrzeugs) Baureihe
S Schnellzuglok 01...19
P Personenzuglok 20...39
G Güterzuglok 40...59
St
Pt
Schnellzugtenderlok
Personenzugtenderlok
60...79
Gt Güterzugtenderlok 80...96
Z Zahnradlok 97
L Lokalbahnlok 98
K Schmalspurdampflok (Kleinspurdampflok) 99
1. Ziffer = Anzahl angetriebener Achsen (Treibachse + Kuppelachsen)
2. Ziffer = Anzahl aller Achsen (angetriebene Achsen + Laufachsen)
Zahl nach Punkt = Achsfahrmasse (ganzzahlig) - Masse, die pro Achse auf den Schienen steht

Beispiel:
K57.10 Schmalspurdampflok mit 5 angetriebenen Achsen und 2 Laufachsen; rund 10 t mittlere Achsfahrmasse (z.B. Lok der BR 9923-24)

Die Betriebsgattung von Triebwagen ähnelt mehr den Gattungszeichen von Reisezugwagen.

Betriebsgattung von Triebwagen
Buchstaben = Hauptgattungszeichen (Kennzeichnung des Haupteinsatzzwecks)
K Schmalspurtriebwagen
A Sitzplätze 1. Klasse
B Sitzplätze 2. Klasse
D Gepäckabteil
Post Postabteil
Dienst Dienstabteil
Kleinbuchstaben = Nebengattungszeichen
aa zweiachsiges Fahrzeug
o Sitzplätze 2. Klasse ohne Polster

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Kurzbezeichnung

(Achsfolge + Antriebsart)

Die Kurzbezeichnung (mitunter auch als "Bauart" bezeichnet) dient wie die Betriebsgattung der Angabe von Hauptmerkmalen eines Triebfahrzeugs. Sie beinhaltet die Achsfolge und weitere Angaben.
Für die Angabe der Achsfolge nutzten die deutschen Länderbahnen stark voneinander abweichende Schemas. Das vereinheitlichte Schema in Deutschland wird entsprechend Festlegung der UIC auch bei anderen europäischen Bahnen verwendet.

Kurzbezeichnung
Achsfolge (von vorn nach hinten) durch Kombination folgender Zeichen
A eine direkt angetriebene Achse (Treibachse)
B zwei angetriebene Achsen (direkt = Treibachsen; indirekt = Kuppelachsen) im gleichen Rahmen/Drehgestell
C drei angetriebene Achsen im gleichen Rahmen/Drehgestell
... ...
E fünf angetriebene Achsen im gleichen Rahmen/Drehgestell
x' Achse oder Gruppe von Achsen, die zusammen in einem separaten Rahmen bzw. Drehgestell untergebracht sind.
(Für "x" muß eine Ziffer oder ein Großbuchstabe stehen.)
(y)' Gruppe von Achsen, die zusammen in einem separaten Rahmen bzw. Drehgestell untergebracht sind.
(Für "y" in der Klammer muß eine Kombination aus Großbuchstaben und Ziffern stehen.)
Xo Die Radsätze werden einzeln angetrieben (z.B. durch Elektromotoren).
(Für "X" muß ein Großbuchstabe außer "A" stehen.)
+ Das Triebfahrzeug besteht aus mehreren Sektionen bzw. die Triebwageneinheit besteht aus mehreren fest gekuppelten Triebwagen und Beiwagen.
Antriebsart Dampfloks
h Heißdampflok (überhitzter Dampf)
n Naßdampflok
2 Lok hat insgesamt 2 Dampfzylinder
4 Lok hat insgesamt 4 Dampfzylinder
v Verbundprinzip (Hochdruck- und Niederdruckzylinder miteinander verbunden)
i Innentriebwerk
t Tenderlokomotive (Wasser und Kohle werden auf der Lok mitgeführt und nicht in einem an die Lok gehangenen Schlepptender.)
Antriebsart Diesellok/-triebwagen
dm mechanisches Getriebe als Hauptgetriebe
dh hydrodynamisches Getriebe (Strömungsgetriebe) als Hauptgetriebe
de elektrische Kraftübertragung (Stromerzeugung mit an den Dieselmotor angekuppelten Generator zur Speisung der Elektromotore an den Antriebsachsen)

Beispiele: 
1'E1'
 
siehe
Lok 99 222
1' E1' h2t Dampflok
1' - hat vorn in einem Gestell eine Laufachse,
E - 5 Treibachsen,
1' - hinten in einem Gestell eine Laufachse,
h - ist eine Heißdampflok
2 - mit zwei Dampfzylindern
t - und besitzt einen Tender
B'B
 
siehe
Lok 99 5906
B' Bn4vt Dampflok
B' - mit zwei in einem Triebdrehgestell (Niederdruckzylinder) zusammengefaßten Treibachsen und
B - hinten zwei Treibachsen (Hochdruckzylinder) im Lokrahmen (Lok der Bauart Mallet),
n - Naßdampflok,
v - Verbundprinzip,
4 - für die 4 Dampfzylinder,
t - Tender für Brennstoffvorrat an der Lok
(1B)'1B  
siehe
Lok 99 6011
(1B)'1Bn4vt Dampflok
1 - mit einer Laufachse und
B - zwei Treibachsen
()' - zusammengefaßt in einem Triebdrehgestell (Niederdruckzylinder),
1 - hinten im Lokrahmen eine Laufachse sowie
B - zwei Treibachsen (Lok der Bauart Mallet),
n - Naßdampflok,
v - Verbundprinzip.
4 - für die 4 Dampfzylinder,
t - Tender für Brennstoffvorrat an der Lok
B'B'  
siehe
Lok 98 001 ("Windberglok")
B'B'n4vt Dampflok
B' - mit zwei in einem Triebdrehgestell (i.d.R. Niederdruckzylinder) zusammengefaßten Treibachsen und
B' - mit zwei in einem Triebdrehgestell (i.d.R. Hochdruckzylinder) zusammengefaßten Treibachsen (Lok der Bauart Günther/Meyer)
n - Naßdampflok,
v - Verbundprinzip.
4 - für die 4 Dampfzylinder,
t - Tender für Brennstoffvorrat an der Lok
Bo'Bo'
 
siehe
Tw 187 025
Bo' Bo' de Lok/-triebwagen
B' - mit einem zweiachsigen Drehgestell vorn und
B' - einem zweiachsigen Drehgestell hinten,
o - deren Achsen einzeln angetrieben werden (z.B. Elektro-Fahrmotoren);
d - Antrieb durch Dieselmotor
e - mit elektrischer Kraftübertragung

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