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zu Strecke und Fahrplan

19.02.2012  Geschäftsbericht der HSB für das Jahr 2011

Am 15. Februar 2012 hat die Harzer Schmalspurbahnen GmbH (HSB) in einer Pressemitteilung Auszüge aus ihrem Bericht für das Geschäftsjahr 2011 veröffentlicht.

Die Anzahl Fahrgäste im Jahr 2011 wird mit „etwa 1,2 Millionen“1 angegeben. Für den Bereich Wernigerode werden 746 000, für den Bereich Nordhausen 220 000 und für den Bereich Gernrode 106 000 Reisende angegeben. Die Anzahl Teilnehmer an Sonderfahrten ist mit 29 000 ausgewiesen. Der leichte Anstieg der Fahrgastzahlen auf der Selketalbahn wird mit dem geänderten Fahrplan begründet (siehe Meldung vom 06.02.2011 „Sommerfahrplan 2011 der HSB veröffentlicht“ meldung2011/s1102061.htm).

Tabelle 1: Fahrgastzahlen bei der HSB ab dem Jahr 2000
Bereich Jahr
Fahrgäste insgesamt ? ? 1 097 000 1 124 000 1 100 000 1 090 000 1 126 000 1 160 000 1 091 000 1 087 000 1 041 000 1 101 100
  2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 20072 20083 20094 2010 2011
Wernigerode, Brocken 819 000 800 000 785 000 800 000 760 000 760 000 773 000 690 000 713 000 726 000 678 000 746 000
Nordhausen 179 000 197 000 180 000 180 000 199 000 198 000 202 000 255 000 236 000 214 000 232 000 220 000
Gernrode 96 000 93 000 100 000 110 000 110 000 100 000 115 000 119 000 113 000 113 000 101 000 106 000
Regelreiseverkehr insgesamt 1 094 000 1 090 000 1 065 000 1 090 000 1 069 000 1 058 000 1 090 000 1 064 000 1 062 000 1 053 000 1 011 000 1 072 000
Sonderreiseverkehr ? ? 32 000 34 000 31 000 32 000 36 000 96 000 29 000 34 000 30 000 29 000

Quelle: Eigene Darstellung mit Zahlen aus Pressemitteilungen

Zum 3. Mai 2011 erhöhte die HSB ihre Fahrpreise (siehe Meldung vom 27.04.2011 „Fahrpreiserhöhungen ab dem 3. Mai 2011“). Aufgrund der weiter gewachsenen Ausgaben wird es am 5. März 2012 eine weitere Fahrpreiserhöhung geben. Im Brockentarif kostet dann eine einfache Fahrt statt 18,–  dann 21,– , die Rückfahrkarte statt 28,–  dann 32,– . Mit Ausnahme des Abschnitts Nordhausen – Ilfeld-Neanderklinik gibt es auch auf den übrigen Strecken andere Fahrpreise. Die HSB verabschiedet sich von den bisherigen Zonentarifen. Ab 05.03.2012 gilt ein entfernungsabhängiger Tarif. Als Beispiel ist in der Pressemitteilung ein Fahrpreis von 7,–  für eine einfache Fahrt Wernigerode – Drei Annen Hohne oder Gernrode – Alexisbad angegeben. Die Länge der angegebenen Abschnitte beträgt rund 14 Kilometer. Das ergibt einen Fahrpreis von 0,50  je Kilometer.
Auf den WWW-Seiten der HSB sind unter „Tarif- und Beförderungsbedingungen“ noch keine Informationen zu den Tarifen ab 05.03.2012 vorhanden.

Im Bezug auf die Fahrzeuginstandhaltung sind in der Pressemitteilung die Hauptuntersuchung von Lok 99 7237 in Meiningen und von fünf Reisezugwagen durch andere Firmen aufgeführt. In der eigenen Werkstatt Wernigerode-Westerntor führte die HSB die Kesseluntersuchung bei den Loks 99 5902 und 99 7239 durch.

Im Jahr 2011 wurden an der Streckeninfrastruktur drei große Baumaßnahmen abgeschlossen. Das sind der Neubau eines Bahnsteigs am Gleis 3 im Bahnhof Eisfelder Talmühle, der Umbau des Bahnübergangs an der Straße L 100 bei Drei Annen5 sowie der Neubau des Bahnübergangs an der Straße L 239 bei Quedlinburg-Quarmbeck6.

Natürlich findet auch das Jubiläum „125 Jahre Schmalspurbahnen im Harz“7 Erwähnung. Von dem umfangreichen Programm (siehe WWW-Seite der HSB) ist für die Eisenbahnfans interessant, dass am 10. Juni 2012 (So.) zwischen Wernigerode und Wernigerode-Hasserode Fotogüterzüge mit Regelspurwagen auf Rollböcken mit unterschiedlichen Triebfahrzeugen bespannt (Loks Lok 99 6101, Lok der Baureihe 9923–24 und Lok der Baureihe 1998) fahren. Die Rollböcke der Bauart „Görlitz“ wurden dafür von Lehrlingen der HSB betriebsfähig aufgearbeitet. Die Teilnehmer an der Veranstaltung können in einem Gasttriebwagen mitfahren. Am 23. und 24. Juni sind Sonderfahrten ab Wernigerode mit dem Dieseltriebwagen T 1028 der Interessen­gemein­schaft Histo­rischer Schienen­verkehr e. V. (Selfkantbahn) geplant. Die Lok Nr. 1059 der Museumsbahn Blonay-Chamby (Schweiz) wird am 14. und 15. Juli 2012 ab Wernigerode und am 11. August ab Quedlinburg zusammen mit einer HSB-Malletlok – vermutlich Schwesterlok Lok 99 5906 – einen Sonderzug ziehen. Als weiteres Gastfahrzeug wird Dieseltriebwagen T 4210 (Baujahr 1939, Dessauer Waggonfabrik AG) des Deutschen Eisenbahn-Verein e. V. aus Bruchhausen-Vilsen in den Harz kommen. Die Gastfahrzeuge sollen sogar mit Planzügen zum Einsatz kommen.



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Wie die Tabelle 1 zeigt, beträgt die Summe der Fahrgäste aus den Einzelwerten nur 1,1 Millionen und nicht 1,2 Millionen.
In den Pressemitteilungen war die Fahrgastanzahl in Sonderzügen nicht angegeben. Der Wert wurde aus den anderen Werten berechnet. Das Ergebnis ist ein irrealer Wert. Setzt man als optimistische Schätzung 36 000 Reisende in Sonderzügen ein, ergibt sich die Anzahl Reisender im Jahr 2007 zu insgesamt 1 100 000.  
Für das Geschäftsjahr 2008 fehlte in den Pressemitteilungen wieder die Anzahl Fahrgäste im Sonderreiseverkehr. Anhand des Geschäftsberichts für 2009 (17 % Steigerung auf 34 000 Fahrgäste) ergibt sich für 2008 eine Anzahl von 29 000 mit Sonderzügen beförderte Personen. Die somit zu errechnende Summe aller Fahrgäste liegt folglich unter der offiziell angegebenen Zahl von 1,16 Mio. 
Die aus der Neuen Nordhäuser Zeitung (NNZ) entnommenen Zahlen für die einzelnen Bereiche ergeben insgesamt 1 087 000 Fahrgäste. Das sind 13 000 bzw. 73 000 Reisende weniger als die in dem Bericht angegebenen 1,1 Mio. als auch 1,16 Mio. Reisende im Jahr 2009.
Der Bahnübergang war technisch gesichert mit einer Wegübergangssicherungsanlage der Bauform Hl 64 bzw. Hl 64b vom Werk für Signal- und Sicherungstechnik Berlin (WSSB). Diese Haltlichtanlage war mit rotem Blinklicht in den Andreaskreuzen ausgeführt. Da diese Bauform nicht in der Westdeutschen Eisenbahn-Bau und Betriebsordnung (EB0) – gilt seit 03.10.1990 auch für Ostdeutschland – nicht enthalten ist, durften die so ausgerüsteten Bahnübergänge nur laut Einigungsvertrag bis 1993 weiter betrieben werden. Bis zum Fristende sollten die Bahnübergänge entweder beseitigt oder erneuert sein. Die Frist wurde bis 2003 verlängert. Der Vorstand der DB Netz AG bewirkte eine weitere Verlängerung der Frist bis zum 31.12.2010 (siehe Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der FDP-Fraktion vom 05.05.2006; PDF-Dokument). Für konkret anzugebende Bahnübergänge hat das Bundesministerium für Verkehr eine Betriebsgenehmigung erteilt, die spätestens im Jahr 2015 erlischt. Der Bahnübergang bei Drei Annen ist nun mit Lichtzeichenanlage und Halbschranken gesichert.
Der Bahnübergang am Haltepunkt Quedlinburg-Quarmbeck musste aus zwei Gründen erneuert werden. Einerseits besaß er eine Wegübergangssicherungsanlage Hs 64b mit Halbschranken und Blinklichtern in den Andreaskreuzen wie bei Drei Annen. Andererseits musste der Bahnübergang straßenseitig 1,50 Meter verbreitert werden, weil die Straße L 239 in die Ortsumfahrung Quedlinburg eingebunden wird. Zusätzlich mussten ein Rad- und ein Fußweg angelegt werden. Für den Straßenverkehr erhielt der Bahnübergang Halbschranken und Lichtzeichenanlage. Rad- und Fußweg werden nur mit Lichtzeichen gesichert (siehe „Neue Signale am Übergang in Richtung Harz“; Mitteldeutsche Zeitung vom 09.05.2011).
Der Titel des Festjahres ist schlecht gewählt. Er ist zum einen inhaltlich falsch und zum anderen führt er zu Fehlinterpretationen.
Eigentlich ist der 125. Jahrestag der Eröffnung der Strecke Gernrode – Mägdesprung der Anlass für das Festjahr. Also kann man im Jahr 2012 das Jubiläum „125 Jahre erste Schmalspurbahn im Harz“ feiern. Selbst „125 Jahre Selketalbahn“ ist nicht korrekt. Die Strecken der ehemaligen Gernrode-Harzgeroder Eisenbahn-Gesellschaft (GHE) wurden als „Anhaltische Harzbahn“ bezeichnet. Der Name „Selketalbahn“ verbreitete sich erst ab Herbst 1946, als der Wiederaufbau der im Frühjahr 1946 als Reparationen an die Sowjetunion abgebauten Gleise begann. Von „Schmalspurbahnen“ (mehreren Strecken; Mehrzahl!) kann erst mit Eröffnung der Strecke Alexisbad – Silberhütte am 01.07.1889 die Rede sein.
Der Titel lässt den Schluss zu, dass alle drei Harzer Schmalspurbahnen (HSSB) – Selketalbahn, Harzquerbahn und Brockenbahn – im Jahr 2012 genau 125 Jahre alt werden. Das erste Stück der Harzquerbahn – Abschnitt Nordhausen – Ilfeld – wurde aber erst am 12.06.1897 eröffnet. Erst am 27. März 1899 eröffnete die Nordhausen-Wernigeröder Eisenbahn-Gesellschaft (NWE) die vollständige Harzquerbahn (Nordhausen – Wernigerode) und Brockenbahn (Drei Annen Hohne – Bf Brocken).
Leute, die den Unterschied zwischen Infrastruktur „Harzer Schmalspurbahnen (HSSB)“ und Eisenbahn­infrastruktur­unternehmen (EIU) „Harzer Schmalspurbahnen GmbH (HSB)“ nicht begreifen, leiten aus dem Titel sogar ab, dass die 1991 gegründete Harzer Schmalspurbahnen GmbH im Jahr 2012 schon 125 Jahre alt wird. Diesem Trugschluss sind selbst Zeitungsredakteure erlegen.
Als Freund der Selketalbahn erwartet man von dem Jubiläumsjahr, dass die Selketalbahn etwas mehr in das Rampenlicht gerückt wird. Wenn in Zeitungsartikeln über das Jubiläumsjahr dann die Selketalbahn mit keiner Silbe erwähnt wird, stimmt das schon bedenklich. Die Wahl des Titels für das Jubiläumsjahr hat auch in dieser Beziehung versagt.
Wie die Triebwagen 187 011 und 187 013 der HSB wurde der Dieseltriebwagen T 102 bei der Firma Talbot in Aachen gebaut und war zuletzt bei der Inselbahn Langeoog im planmäßigen Einsatz.
Die Lok Nr. 105 der Museumsbahn Blonay-Chamby (Schweiz) stammt aus der selben 1918 in der Karlsruher Maschinenbau-Gesellschaft gebauten Lieferserie HK 94 – HK 100 für die Deutschen Heeresfeldbahnen wie die HSB-Lok 99 5906.
Der Triebwagen wurde 1939 von der Franzburger Kleinbahnen AG (FKB) (Strecke Stralsund – Barth – Ribnitz-Dammgarten) beschafft – baugleich mit FKB-Triebwagen 1121 aus dem Jahr 1935 – und mit der Nummer 1124 in Dienst gestellt. Über die Pommerschen Landesbahnen kam er 1950 zur Deutschen Reichsbahn (DR), wo er die Betriebsnummer VT 137 532 erhielt (Bw Barth). Mit Einführung der EDV-Nummern erhielt der Triebwagen die Betriebsnummer 187 101. 1971 wurde das Fahrzeug mit Zuordnung zum Bw Stralsund abgestellt und Ende 1972 z-gestellt. Um Devisen einnehmen zu können, verkaufte die DDR den Triebwagen 1974 an den Deutschen Eisenbahn-Verein e. V. (DEV).

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© Freundeskreis Selketalbahn e. V.