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23.06.2007 Fahrt in's Grüne

Zug bei der Scheinanfahrt vor dem Gleisdreieck Siersleben
Zug bei der Scheinanfahrt vor dem Gleisdreieck Siersleben
Foto: Ditmar Deicke

Unter dem Titel "Fahrt ins Grüne" sah das Veranstaltungsprogramm des Freundeskreises Selketalbahn e. V. (FKS) für den 23. Juni 2007 eigentlich eine Fahrt mit einem Dampfsonderzug von Gernrode in den Unterharz mit Museumsbesuchen u. a. vor. Doch der "Fiffi" (Lok 99 6102) wurde an diesem Tag für den "Dixie-Train" der Harzer Schmalspurbahnen GmbH (HSB) aus Anlass der "5. Quedlinburger Dixieland- & Swingtage" eingesetzt. Da die HSB sich nicht in der Lage sah, dem Freundeskreis eine alternative Lok für den seit Sommer 2006 bestellten Zug bereitzustellen, hätte die Veranstaltung des FKS fast ausfallen müssen. Um den zahlreichen Interessenten an der Fahrt nicht absagen zu müssen, bemühte sich der Cheforganisator um ein interessantes Ersatzprogramm für den 23. Juni.

Mit zwei gecharterten Bussen der Q-Bus Nahverkehrsgesellschaft mbH Ballenstedt wurde im Bahnhof Gernrode gestartet. Erstes Ziel war der äußerste Rand des Unterharzes – das Städtchen Wippra im Wippertal. Wippra ist Endbahnhof der als "Wipperliese" bezeichneten normalspurigen Bahnlinie von Klostermansfeld. Den Betrieb auf dieser Strecke führt die Kreisbahn Mansfelder Land GmbH (KML) durch. Aufgrund der angekündigten Reisegruppe von Gernrode wurde der planmäßig verkehrende Triebwagen mit einem zweiten Triebwagen verstärkt
Im Bahnhof Klostermansfeld empfing der Vorsitzende des Vereins "Mansfelder Bergwerksbahn e. V. (MBB)" – Thomas Fischer – die Reisegesellschaft. Er stimmte die Gruppe mit interessanten Informationen zur vor ca. 800 Jahren begonnenen Bergbaugeschichte des Mansfelder Landes auf die nächsten Programmpunkte ein. Nach der am Vortag erfolgten Wiedereröffnung des rekonstruierten Warteraums im Empfangsgebäude des Bahnhofs Klostermansfeld, zählten die Teilnehmer der vom FKS organisierten Tagestour zu den ersten Besuchern des Warteraums. Anschließend fand eine Führung durch die Werkhallen der Mansfelder Lok- und Waggonbau Bahnwerkstatt GmbH Benndorf (MaLoWa) statt. Es wurden Einblicke in die Aufarbeitung von Dampflokomotiven und Diesellokomotiven geboten. So manche alte, noch betriebsfähige Werkzeugmaschine war zu bestaunen. Nach der geistigen Nahrung gab es dann im Wartesaal des EG Klostermannsfeld Mittagessen. Von Mitgliedern des FKS wurde die mitgebrachte Gulaschsuppe von der Fa. "Feldküchenbetrieb Kather" aus Silberhütte (Harz) ausgeteilt. Nach dem Mittagessen konnten die Veranstaltungsteilnehmer endlich doch noch mit einem Dampfzug fahren. Im Bahnhof Benndorf stand ein Sonderzug (Lok Nr. 9 und drei Personenwagen) des MBB bereit. Die Mansfelder Bergwerksbahn (Spurweite 750 mm) nahm 1880 ihren Betrieb auf. Somit handelt es sich um Deutschlands dienstälteste Schmalspurbahn. Um 1925 hatte die Bergwerksbahn mit 50 km ihre größte Ausdehnung. Nach Einstellung des Bergbaus in den 1960er Jahren und Schließung der Hüttenbetriebe in Helbra und Hettstedt in den Jahren 1989/1990 besteht noch ein ca. 10 km langer Rest, der vom MBB zu Sonderfahrten genutzt wird. Auch wenn die Fahrt mit dem Dampfzug auf fremder Strecke statt auf der Selketalbahn erfolgte, so blieb dennoch die Verbindung zum Harz erhalten, denn der an diesem Tag auf Lok Nr. 9 tätige Lokführer wohnt im Harz. Am Haltepunkt "Eduard Schacht" verließen die Fahrgäste den Zug, der zum Endbahnhof Kupferkammerhütte Hettstedt weiterfuhr. Nun stand der Besuch des "Mansfeld-Museums" auf dem Plan. Dort befindet sich z. B. der funktionstüchtige Nachbau der ersten deutschen Dampfmaschine. Das Original war einst im Bergbau zum Heben der Grubenwässer im Einsatz. Auf der Rückfahrt von Hettstedt nach Benndorf wurden den Eisenbahnfreunden Möglichkeiten zu Foto-/Video-Aufnahmen geboten. Am Gleisdreieck Siersleben und am Abzweig Blockstal gab es Scheinanfahrten.
Mit den zwei gecharterten Q-Bussen fuhr die Reisegruppe von Benndorf zum Vatteröder Teich im Wippertal. Nach Fahrten mit Dieseltriebwagen und Dampfzug wurde das Programm abgerundet mit Fahrten unter Nutzung elektrisch angetriebener Loks. Die Spurweite verringerte sich aber von Normalspur (1435 mm) und Schmalspur (750 mm) auf nur noch 500 mm. Letzte Station des Tagesausflugs war die Parkeisenbahn Vatterode. Die Bahn wurde zum Tag des Bergmanns am 3. Juli 1967 als neunte Pioniereisenbahn in der DDR eröffnet. Die ungewöhnliche Spurweite von 500 mm kommt daher, dass das Gleismaterial von abgebauten Grubenbahnen stammte. Auch die Fahrzeuge kamen von Grubenbahnen. Die zwei Loks entstanden durch Umbau von Akku-Loks vom Typ EL 9 (Hersteller LEW). Die Wagen entstanden aus Mannschaftswagen der Grubenbahn. Die 1,3 km lange Bahn besitzt im Bahnhof Wippergrund noch eine weitere Besonderheit: eine Drehscheibe mit 2 m Nutzlänge. Die bis zur politischen Wende in Ostdeutschland unter Anleitung von Kindern- und Jugendlichen betriebene Bahn gehört heute als Parkeisenbahn zur Kreisbahn Mansfelder Land GmbH (KML).
Während ein Teil der Reisegesellschaft mit der Parkeisenbahn fuhr, konnte sich der andere Teil an der von Mitgliedern des FKS aufgebauten Kuchentafel bedienen. Den Obstkuchen hatte die Bäckerei Hecht in Gernrode gebacken.
Von Vatterode brachten die Busse die Reisegruppe auch wieder zum Ausgangspunkt nach Gernrode zurück.

Das aus der Not geborene Programm mit Stationen außerhalb des Harzes kam dennoch bei den Teilnehmern gut an. Das Wetter spielte auch recht gut mit. Die Regenwolken kamen meist nur dann gezogen, wenn ein schützendes Dach (Wartehalle, Zug, Museum, …) verfügbar war.
Der Kreisbahn Mansfelder Land GmbH und dem Mansfelder Bergwerksbahn e. V. sei an dieser Stelle für die Unterstützung gedankt.

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Die zwei Triebwagen der "Wipperliese" überqueren die Brücke über den Ort Mansfeld.
Die zwei Triebwagen der "Wipperliese" überqueren die Brücke über den Ort Mansfeld.
Foto: Klaus Gottschling
Sonderzug im Bahnhof Benndorf
Sonderzug im Bahnhof Benndorf
Foto: Ditmar Deicke
Parkeisenbahn "Vatteröder Teich"
Parkeisenbahn "Vatteröder Teich"
Foto: Ditmar Deicke

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