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Der Harz - Historie
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Historie

Fundstücke im nördlichen Harzvorland sind Zeugnis für die Anwesenheit von Menschen vor ca. 200.000 Jahren v. Chr. In der Mittelsteinzeit (Mesolithikum ca. 10.000–6.000 v. Chr.) lebten an den Flüssen des Harznordrandes Menschen vom Fischen, Jagen und Sammeln von Pflanzen/Früchten. Vor ca. 5.000 Jahren v. Chr. (Jungsteinzeit = Neolithikum) begann in Europa die Seßhaftwerdung des Menschen, die Errichtung von Siedlungen, die Zähmung von Wildtieren sowie die Kultivierung von Pflanzen. Für den Harz bedeutete das eine zunehmende Besiedlung des Nordrandes und von Teilen des Ostharzes. In das Innere des Gebirges drangen die Menschen nur zur Jagd vor.
Auch während der Bronzezeit (3000–1000 Jahre v. Chr.) wurden die dichten Harzwälder nur begangen aber nicht besiedelt. Am Nordrand entstanden einige wenige Ansiedlungen (z.B. Winzenburg an der Roßtrappe). Im nördlichen Vorland entstanden dagegen zahlreiche befestigte Höhensiedlungen wie z.B. der Burgberg von Quedlinburg, Timmenrode und an den Gegensteinen bei Ballenstedt.
Durch Einfall fremder Stämme ging während der Eisenzeit (ab ca. 700 Jahre v. Chr.) die Besiedlung stark zurück.

Kurz vor Beginn unserer Zeitrechnung siedelten sich am Nord- und Ostrand des Harzes Hermunduren (germanischer Stamm) an. Ab dem 4. Jh. gehörten die Hermunduren zur Stammesgemeinschaft der Thüringer. Im Jahr 454 gründeten die Thüringer ein Königreich. Dieses wurde 531 durch die Franken mit Hilfe sächsischer Scharen zerstört. Thüringen wurde Teil des fränkischen Staates. Im Zuge der Eroberung legten die Franken an strategisch wichtigen Punkten Siedlungen und Burganlagen an. Die Christianisierung der unterworfenen Bevölkerung war verbunden mit dem Bau kirchlicher Einrichtungen (z.B. Klöster Wendhusen bei Thale, Drübeck und Volkmarskeller bei Michaelstein). Das Kloster Fulda betrieb mit seiner "Fuldaer Mission"; eine rege Verbreitung des Christentums. Es wurden Land gekauft und an wichtigen Straßen Ortschaften angelegt.
Ende des 9. Jh. errang das Fürstengeschlecht der Luidolfinger in Sachsen die Herzogwürde. Die Luidolfinger bauten ihre führenden Rolle im ostfränkischen Reich aus. Durch Heinrich I. erfolgte 919 die Schaffung eines deutschen Feudalstaates. Die Harzregion wurde zum politischen und wirtschaftlichen Zentrum, zum bevorzugten Aufenthaltsgebiet deutscher Könige und Kaiser. Es entstanden die Pfalzen Werla, Goslar, Quedlinburg im Norden sowie Tilleda, Wallhausen und Allstedt im Süden. Wegen der Funktion als Reichsbannforst errichtete man im Harz die königlichen Jagdhöfe Bodfeld, Erdfelde, Hasselfelde, Siptenfelde und Pansfelde. Die Harzregion wird auf Grund der historisch bedeutsamen Ereignisse auch als "Wiege Deutschlands" bezeichnet.
Unter dem Kaiser Friedrich I. (Barbarossa 1122–1190) verlor die Region ihre zentrale Bedeutung. Der zunehmende Einfluss und die Aneignung von Land durch die Harzgrafen (Stolberger, Wernigeroder, Blankenburger, Regensteiner, Mansfelder, Hohnsteiner, Anhaltiner und Schwarzburger) führten zur territorialen Zersplitterung.
Das 9.–12. Jh. war die Zeit der großen Rodungen, die auch in das Innere des Harzes vordrangen. Die Endung "rode"; in vielen Ortsnamen (z.B. Gernrode, Harzgerode, Dankerode) deuten auf die Entstehung der Orte auf einer Rodungsfläche hin.

Im 14. und 15. Jh. blühten durch den Fernhandel die Städte am Harznordrand auf. An den Flüssen Bode, Selke u.a. entstanden nach Erzfunden Bergwerke und Saigerhütten.
Die Niederlage der Aufständischen im Deutschen Bauernkrieg bewirkte eine Verschärfung der Unterdrückung. Das Territorium der Grafschaften vergrößerte sich durch Übernahme des Grundbesitzes der im Zuge der Reformation aufgelösten Klöster.
Nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges mit dem "Westfälischen Frieden"; im Jahr 1648 und Abzug der schwedischen Truppen kamen die brandenburgischen Truppen. Im Harz festigte sich die Vormacht des preußischen Militärstaates, der Anhaltiner und Braunschweiger.

Mit der Abschaffung der Leibeigenschaft und Einführung der Gewerbefreiheit wurden zu Beginn des 19. Jh. die Voraussetzungen für die Entwicklung der industriellen Produktion geschaffen. Die Eisenhütten in unmittelbarer Nähe zu den Bergwerken verlagerten die Fabrikbesitzer an den Harzrand nach Wernigerode, Ilsenburg, Blankenburg und Thale. Diese Städte am Harzrand wurden somit zu Zentren der Industrie und des Proletariats. Die Bevölkerung im Gebirge verdingte sich mit Landwirtschaft, Forstwirtschaft (Holzverwertung, Köhlerei u.a.) und Bergbau. Zur Aufbesserung des geringen Einkommens wurde zusätzlich Fremdenverkehr betrieben. Während bis 1880 mit zahlreichen Eisenbahnlinien der Harz umzingelt war, führte erst ab 1885/86 mit der Strecke von Blankenburg nach Tanne (teilweise als Zahnradbahn) eine Bahnlinie in das Gebirgsinnere. Wegen der schwierigen Geländeverhältnisse wurden weitere Strecken zum Erschließen des Harzes als Schmalspurbahn mit 1000 mm Spurweite gebaut. Mit Eröffnung der Selketalbahn 1887 verbesserten sich im Ostharz die Absatzbedingungen der örtlichen Industrie und der Fremdenverkehr nahm enorm zu.

Die Fabriken der Harzregion waren an der Rüstungsproduktion für den zweiten Weltkrieg beteiligt. Von den Konzernen wurden ausländische Zwangsarbeiter und ab 1943 Häftlinge aus den eingerichteten Konzentrationslagern (KZ) eingesetzt. Wegen zunehmender Bombardierung verlegte man die Produktion in unterirdische Stollen.
1945 nahmen amerikanische Truppen den Harz ein. Der Ostharz und Teile des Mittelharzes kamen zur sowjetischen Besatzungszone. Auf Grundlage der Bodenreform enteignete man die Großgrundbesitzer. Fabriken kamen teilweise unter Verwaltung der sowjetischen Militäradministration und wurden später verstaatlicht.
1949 erfolgte die Gründung der beiden deutschen Staaten BRD und DDR, wonach den Harz eine Grenze teilte.
Haupterwerbszweige im Unterharz waren der Bergbau, die Forstwirtschaft, die Landwirtschaft und der vorrangig auf die Ferienheime der Gewerkschaft konzentrierte Fremdenverkehr.

Die politische Wende in Ostdeutschland im Herbst 1989 und die Wiedervereinigung Deutschlands im Jahr 1990 führte zur Schließung der unrentablen Bergwerke und zur Schließung zahlreicher Ferienheime. Da die Touristen, welche meist zum Brocken pilgern, erst mit der Schönheit des Unterharzes vertraut gemacht werden müssen, erlebt der Fremdenverkehr dieser Region nur einen zaghaften Wiederaufschwung.

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